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Der Teller, der nicht mehr ankommt – warum Essen bei Demenz zur Herausforderung wird

  • leyroutz
  • 12. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

„Sie isst einfach nicht mehr.“


Diesen Satz höre ich in meiner Arbeit als Gerontopsychologin unglaublich oft. Fast immer wird er von Schuldgefühlen begleitet. Angehörige erzählen, dass sie stundenlang kochen, Lieblingsgerichte zubereiten oder immer wieder neue Speisen ausprobieren – und trotzdem bleibt der Teller nahezu unberührt.


Für viele fühlt sich das an, als würden sie versagen.


Dabei steckt hinter der Nahrungsverweigerung meist etwas ganz anderes.

Demenz verändert nicht nur das Gedächtnis. Sie verändert auch die Art, wie unser Gehirn Essen wahrnimmt.

Gerüche werden schwächer wahrgenommen, wodurch auch der Geschmack verloren geht. Denn der größte Teil dessen, was wir als Geschmack erleben, entsteht tatsächlich über den Geruchssinn. Viele Speisen schmecken plötzlich fad oder ungewohnt.

Hinzu kommt, dass Hunger- und Sättigungsgefühl aus dem Gleichgewicht geraten können. Manche Menschen vergessen schlicht zu essen, weil das Hungergefühl ausbleibt. Andere essen immer weiter, weil sie nicht mehr spüren, wann sie satt sind.

Eine weitere häufige Ursache ist die sogenannte Apraxie. Dabei geht nicht die Muskelkraft verloren, sondern die Fähigkeit, vertraute Handlungsabläufe auszuführen. Messer und Gabel richtig zu benutzen oder Fleisch zu schneiden, wird plötzlich zu einer schwierigen Aufgabe. Für Außenstehende wirkt das manchmal wie Unlust – tatsächlich ist es Ausdruck der Erkrankung.


Auch die Umgebung spielt eine große Rolle.

Ein lauter Fernseher, viele Gespräche gleichzeitig, buntes Geschirr oder ein hektischer Esstisch können überfordern. Was für gesunde Menschen selbstverständlich ist, kann für Menschen mit Demenz schnell zu einer Reizüberflutung werden.


Ich erinnere mich an eine Angehörige, die verzweifelt sagte:

„Jeden Abend räume ich denselben vollen Teller wieder weg.“

Gemeinsam haben wir nur wenige Dinge verändert. Die Mahlzeiten fanden an einem ruhigeren Platz statt. Statt Messer und Gabel gab es mundgerechtes Fingerfood. Es saß nur noch eine Person mit am Tisch. Plötzlich wurde aus dem täglichen Kampf wieder ein gemeinsamer Moment.


Nicht jeden Tag.

Aber immer häufiger.

Und genau das ist das Ziel.

Nicht Perfektion.

Nicht jeder Bissen.

Sondern Lebensqualität.


Was Angehörigen häufig hilft:

• Sorgen Sie für eine ruhige Essenssituation.

• Reduzieren Sie Ablenkungen.

• Verwenden Sie übersichtliches Geschirr.

• Bieten Sie Fingerfood an, wenn Besteck Schwierigkeiten bereitet.

• Würzen Sie Speisen etwas kräftiger – sofern gesundheitlich nichts dagegen spricht.

• Halten Sie feste Essenszeiten und Rituale ein.

• Essen Sie möglichst gemeinsam. Essen verbindet und vermittelt Sicherheit.


Vor allem aber möchte ich Ihnen eines mitgeben:

Bitte machen Sie sich keine Vorwürfe.

Wenn ein Mensch mit Demenz weniger isst, bedeutet das nicht automatisch, dass Sie etwas falsch gemacht haben. Die Erkrankung verändert das Gehirn – und damit auch das Essverhalten.

Ihre Aufgabe ist nicht, jeden Teller leer zu bekommen.

Ihre Aufgabe ist es, die Mahlzeit zu einem Moment zu machen, in dem sich Ihr Angehöriger sicher, angenommen und begleitet fühlt.


Manchmal ist genau das die wertvollste Nahrung.


Wenn Sie mehr über dieses Thema erfahren möchten, hören Sie gerne in die aktuelle Folge von „Vergiss Dich nicht – Der Demenzpodcast“ hinein. Gemeinsam mit Bettina sprechen wir darüber, warum Essen bei Demenz so herausfordernd werden kann und welche kleinen Veränderungen im Alltag oft eine große Wirkung entfalten.....und wenn Ihnen gefällt was sie hören und Lesen empfehlen sie uns bitte weiter


 
 
 

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