Ein Jahr Demenzblog: zwischen Anspruch, Herz und Wirklichkeit
- leyroutz
- vor 5 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Vor genau einem Jahr habe ich begonnen, Blogbeiträge für Angehörige von Menschen mit Demenz zu schreiben. Am Anfang hatte ich einen großen Plan: ein Jahr lang jeden Tag einen Beitrag. Jeden Tag ein Text, ein Gedanke, ein Impuls – für all jene, die mit Demenz leben, lieben, pflegen und arbeiten.
Schon nach einiger Zeit wurde mir klar: Dieser Anspruch ist zu hoch. Nicht, weil mir die Themen fehlen – sondern weil auch Engagement, Empathie und Leidenschaft Grenzen haben. Ich habe gemerkt, dass ich sonst genau das verliere, was mir in meiner Arbeit so wichtig ist: Tiefe, Echtheit und innere Präsenz.
Also habe ich mir erlaubt, den Plan zu verändern, wie Sie alle wahrscheinlich gemerkt haben.
Ich werde weiterschreiben – in meinem Tempo. Mit Themen, die wirklich relevant sind. Für Angehörige. Für Menschen, die mit Menschen mit Demenz arbeiten. Für all jene, die nicht nur wissen wollen, was Demenz ist, sondern verstehen möchten, was sie mit Beziehungen, Identität und Alltag macht.
In den letzten zwölf Monaten haben mich viele Rückmeldungen erreicht. Nachrichten, die mich tief berührt haben. Sätze wie:
„Endlich fühle ich mich verstanden.“ „Ich dachte, ich bin die Einzige, die so fühlt.“ „Ihr Text hat mir geholfen, meine Mutter anders zu sehen.“„Danke, dass Sie aussprechen, was man sich kaum zu denken traut.“Und für manche ist es Leitfaden geworden.
Diese Rückmeldungen haben mir gezeigt, dass Schreiben mehr ist als Wissensvermittlung. Es schafft Verbindung. Es öffnet Räume. Es gibt Gefühlen eine Sprache, die sonst oft verborgen bleiben.
Viele Angehörige tragen eine unsichtbare Last. Sie organisieren, pflegen, trösten, erklären – und verlieren dabei manchmal sich selbst. In Gesprächen begegne ich Schuldgefühlen, Überforderung, Trauer, Wut, Liebe und Hoffnung. Oft alles gleichzeitig. Demenz betrifft nicht nur das Gedächtnis. Sie verändert Beziehungen, Rollenbilder und Lebensentwürfe.
Meine Blogbeiträge sind in diesem Jahr zu einem Ort geworden, an dem diese Ambivalenzen Platz haben dürfen. Ohne Bewertung. Ohne Schönreden. Aber auch ohne Resignation.
Ich wünsche mir, dass dieser Blog ein lebendiger Raum bleibt. Ein Raum für Gedanken, Fragen und Austausch. Ich freue mich über Rückmeldungen, Diskussionen und Themenvorschläge – von Angehörigen ebenso wie von Menschen aus Pflege, Betreuung, Therapie und Medizin.
Denn Demenz betrifft uns nicht nur fachlich. Sie betrifft uns menschlich.
Danke an alle, die mich in diesem Jahr begleitet haben.








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