Mutter
- leyroutz
- 12. Nov. 2025
- 1 Min. Lesezeit
Du gehst auf deinen vier Rädern durch die verlorenen Gedanken, die täglich erfrieren im Schnee von gestern.
Siehst Menschen, die es nicht oder nicht mehr gibt und auch vielleicht nie geben wird, aber sie existieren in dir und sind für dich reale Wirklichkeit in deiner immer kleiner werdenden Welt.
Suchst Frieden in deinen verschwindenden Erinnerungen auf der täglichen Suche nach dem „Ich“, welches niemand anderes außer dir mehr verstehen kann.
Erkennst die Deinen nicht mehr und fühlst dich auch manchmal von ihnen bedroht. Reagierst unterbewusst und instinktiv auf traurige und lächelnde Gesichter, die dir begegnen auf deinem langen Weg in die innere Dunkelheit. Es ist schwer dich in andere Hände zu geben trotz des Bewusstseins, dass man selbst deine immer weniger werdenden Tage nicht mehr begleiten kann, nur noch beobachten – aber jedes glückliche Aufblitzen in deinen Augen ist eine unbezahlbare Belohnung.
Ich lasse dich gehen und möchte dir auch das Gefühl geben, gehen zu dürfen, denn ich weiß, dass es unmöglich für dich ist, wieder das zu werden, was du warst. Die Stärke, die früher in dir wohnte und mir ein Vorbild war, verwandelte sich in tausende Schwächen und Unzulänglichkeiten, die dich aber nicht weniger liebenswert machen.
Denn eines wirst du immer bleiben – bis zum letzten Tag und darüber hinaus:
Meine Mutter.
(Zur Verfügung gestellt von Horst Leditzky, 12.11.2025 Besucher der Selbsthilfegruppe)








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