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Unser Fräulein "Helferlein"

  • leyroutz
  • vor 5 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Eine kleine große Geschichte aus dem Pflegealltag


Es gibt diese besonderen Momente im Alltag der Pflege. Sie kommen leise daher. Unspektakulär. Und doch berühren sie tief. Momente, in denen die Zeit für einen Augenblick stehen bleibt – und etwas Wesentliches sichtbar wird.


Einer dieser Momente hat sich letzte Woche bei uns im Haus St. Peter ereignet.

Im Rahmen einer validierenden Begegnung erzählte uns eine Bewohnerin mit leuchtenden Augen, sie sei das Fräulein Helferlein. Mit einem Mal waren wir nicht mehr im Hier und Jetzt. Wir waren in ihrer Schulzeit. In einer Welt, in der Helfen selbstverständlich war. In der man Aufgaben gesehen und sie einfach übernommen hat. Mit Freude. Mit Stolz. Mit einem offenen Herzen.

Wer diese Bewohnerin kennt, weiß sofort: Das passt. Schon damals sei sie sehr hilfsbereit gewesen, erzählt sie. Und auch heute spürt man diese Haltung in jeder Begegnung. Sie ist selten grimmig, meist gut gelaunt, aufmerksam, freundlich. Eine von jenen Menschen, die einen Raum heller machen, ohne es zu beabsichtigen. Die einfach da sind – und damit etwas Gutes in Bewegung setzen.


Sie lebt seit mehreren Jahren bei uns im Haus. Und über all diese Jahre ist sie zu einem festen Teil unserer Gemeinschaft geworden. Nicht nur als Bewohnerin, sondern als Persönlichkeit. Als jemand, der vielleicht nicht mehr alle Daten und Fakten präsent hat – aber etwas viel Wichtigeres bewahrt: eine innere Haltung. Herzenswärme. Zugewandtheit. Den Wunsch, hilfreich zu sein.


Genau hier setzt Validation an. Sie bedeutet, Menschen dort zu besuchen, wo sie innerlich gerade sind. In ihrer Welt. Mit ihrer Geschichte. Mit dem, was sie trägt. An diesem Tag war es die Welt des Fräulein Helferlein. Und wir durften ein Stück begleiten. Ohne zu korrigieren. Ohne zu erklären. Einfach zuhören. Mitgehen. Dasein.

Für Mitarbeitende in Pflege und Betreuung sind solche Begegnungen kostbar. Sie erinnern uns daran, dass Beziehung oft wichtiger ist als Richtigstellung. Dass Würde nicht an kognitiven Leistungen hängt. Und dass Sinn und Identität oft viel tiefer verankert sind, als es Tests oder Diagnosen erfassen können.


Aber auch für pflegende Angehörige liegt darin eine leise, tröstliche Botschaft. Der Mensch, den Sie begleiten, ist nicht „verschwunden“. Er ist noch da – vielleicht anders, vielleicht in einer anderen Zeit, vielleicht mit anderen Worten. Doch die Persönlichkeit, die Haltung, das Wesen: all das lebt weiter. Und manchmal zeigt es sich genau in solchen Momenten.


Unser Fräulein Helferlein ist ein großes Geschenk für uns alle. Sie erinnert uns daran, warum wir diesen Weg gehen. Warum Pflege mehr ist als Versorgung. Warum Begleitung ein Beziehungsgeschehen ist. Und warum es sich lohnt, immer wieder stehen zu bleiben, zuzuhören und die Welt des anderen für einen Moment mitzusehen.


Wir sind dankbar, dass sie bei uns ist. Und für alles, was sie – ganz still – in unser Haus hineinträgt.



 
 
 

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© 2021 Christine Leyroutz - Alle Fotos von Fotografie_Lebzelt

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